Lot 12/2012



"Nichts ist groesser als die Anziehung des Abgrunds"... in unserem Fall heisst das eher "Nichts ist groesser als die Anziehung des Unbekannten".
Und so zog es uns wieder mal ins Lot um etwas mehr des uns Unbekannten zu erschliessen. Wir haben aber mit der Zeit gelernt nicht krampfhaft Zielen hinterherzulaufen und mit Rueckschlaegen umzugehen. Mal sind wir 1200 km zum Tauchen gefahren um dann wieder mit Durchfall die Heimreise anzutreten. Mal beendete ein Gasausfall das weitere Vordringen. All dies veraendert nicht die persoenlichen Ziele, aber den Umgang mit moeglichen Rueckschlaegen.
Und so sind wir mit dem Ziel nach Frankreich gefahren, die Biwakhalle in der Ressel zu besuchen und noch die eine oder andere Hoehle zu betauchen. Taucherisch stellen weder die Strecke, die Tiefe, noch die Zeit eine neue Herausforderung fuer uns dar. Und so begannen wir mit der Planung und den erforderlichen Vorbereitungen.
Wie ueblich begann vor der Abfahrt alles wieder mit dem Ausruestungstetris im Anhaenger.



In Frankreich angekommen goennten wir uns erst einmal einen Tag Pause, im Wissen, dass uns ein anstrengender Tag bevor stand. Nach einem erholsamen Tag mit Sightseeing und Ratschen, begann der darauffolgende Tag um 6 Uhr. An der Hoehle waren wir um 7 Uhr, um dort zu Fruehstuecken und die Sachen fuer den Tauchgang vorzubereiten. Dies dauerte laenger als erwartet und wurde auch immer wieder durch Ratschen mit anderen bekannten Hoehlentauchern unterbrochen, sodass wir, nach einer Nudel-Malzeit, erst kurz vor 12:00 abtauchten.


- Geschaft, Scooter, Flaschen etc. sind am Ufer -



Bepackt mit 6 Stages, Heiztank und 2 Scooter pro Mann ging es bei Stroemung durch den Eingang der Ressel. Zusaetzlich fuehrten wir noch einen Sidemountrebreather und eine Trockenroehre mit. Der Sidemount Rebreather war ein Prototyp der bei diesem Tauchgang ausgiebig getestet werden sollte. Mit der Trockenroehre transportierten wir eine Kamera, Reperaturmaterial, ein Sauerstoffmessgeraet, etwas zu Essen und Stirnlampen.


- Weitere Ausrüstung -

Die Sicht hielt sich dieses Mal in Grenzen und war 5 bis maximal 10 Meter. Die Stroemung bremste unser Vorankommen etwas und war beim Deponieren des Sauerstoffes und des 21 Meter Gases deutlich spuerbar. Nach dem Ablegen des 36 Meter Gases und des Heiztanks hatten wir nur noch ein Tiefengas, die Dekogase fuer hinten in der Hoehle, die Ersatzscooter, den Sidemountrebreather und die Trockenroehre am Mann, sodass es deutlich schneller voran ging und jede Menge Spass machte, durch die Gaenge der Ressel zu scootern.
Bis zum ersten tiefen "T" war die Leinensituation optimal. Der tiefe Weg wurde erst kuerzlich von der Cavebase und uns bis zum Hauptgang neu ausgeleint, der Flache benoetigt in diesem Bereich noch etwas Arbeit. Dort ist zwar schon eine neue Leine verlegt, sie ist aber noch nicht fixiert und die alte Leine wurde nur teilweise entfernt. Das kann man ja zu einem spaeteren Zeitpunkt mal gemeinsam anpacken.
Je weiter man nach hinten kommt, desto chaotischer wird die Leinensituation. Die allgemeine Ausfuehrung der "Ts" in der Ressel, welche konsequent ohne Jump ausgefuehrt wurden, fuehrt im hinteren Bereich dazu, dass der Abzweig vorm Lac Isler schwer zu erkennen ist, was einem hier aber auch vor Augen fuehrt, wieso dieser Abzweig nicht beim Vorstoss von Oliver Isler 1990 entdeckt wurde. An dieser Stelle zeigten sich die Vorteile des Teamtauchens, einer sah den Abzweig, einer nicht... Nach einer weiteren Verzweigung und dem Absitzen der Deko erreichten wir den Lac T.
Dank der Rinne im Bereich der Schikane, die 2004 von Fritz Schatzmann und Michael Kuehn mühevoll hergestellt wurde, welche als "Vorbereitung" für die Vermessungsaktion 2005 gemeinsam mit Martin Schaer und Markus Schafheutle diente, konnten wir die Stelle ohne Ablegen der Ausruestung passieren. Jedoch war die Stroemung so stark, dass dies nur mit Ziehen und Schieben moeglich war und auch Zeit beanspruchte. Weiter fuehrte ein abwechslungsreicher Gangverlauf bei maximal 6 Meter Wassertiefe zur Biwakhalle. In der Biwakhalle angkommen wurden erstmal die Tauchgeraete abgelegt und die Trockenroehre geoeffnet.


- Abgelegte Ausrüstung im S3 - Biwakhalle -

Gut ueberrascht waren wir als das O2-Messgeraet, das vor dem Tauchgang nochmals kalibriert wurde, sofort anfing hypoxische Werte zu zeigen und erst bei 17.5% aufhoerte zu fallen. Das C02 Niveau war gefuehlt aber eher niedrig.


- Sauerstoffmessung -

In der Biwakhalle schauten wir uns ein wenig um, machten ein paar Fotos und assen vor dem Heimweg noch ein paar Muesliriegel. In Summe waren wir ca. 2 Stunden in der Biwakhalle.


- Biwakhalle Blickrichtung S3 -


- Biwakhalle Blickrichtung S4 -


- Biwakhalle Blickrichtung S4 -


- Biwakhalle Blickrichtung S4 mit aktivem Sinter links -


- Sinter -


- Biwakhalle / S4 -


- Biwakhalle Blickrichtung S3 -


- Biwakhalle Blickrichtung S3 -


- Biwakhalle Blickrichtung S3 -


- Biwakhalle Richtung S3 -


- Biwakhalle / S3 -



Der Rueckweg durch den etwas komplizierten hinteren Teil der Ressel ging mit Unterstuetzung der Stroemung und ohne Deko deutlich schneller, sodass wir, unterbrochen vom Einsammeln der abgelegten Ausruestung, sehr zuegig den Tiefstenpunkt der Ressel erreichten. Der Rueckweg, bei welchem wir wieder viel Spass hatten, und die Deko verliefen problemlos. Gegen 23 Uhr tauchten wir schliesslich in der Cèlè auf um uns kurze Zeit spaeter, noch im Trocki, ein frohes neues Jahr zu wuenschen. Nach einer Brotzeit schafften wir die Ausruestung hoch und verluden diese, Blick auf die Uhr [03:00].
Als wir in unserer Unterkunft angekommen waren, goennten wir uns erstmal ein Bier und sichteten die Fotos. Zufrieden mit dem Erreichten und etwas ausgepowert nach einem 23 Stunden Tag gingen wir ins Bett, Blick auf die Uhr [05:00].


Der darauffolgende Tag bestand aus entspannen und Tauchausruestung fuer den Folgetag vorbereiten.
Das Wetter sollte uns hier aber einen Strich durch die Rechnung machen. Geplant war die Cabouy zu durchtauchen und ein wenig den Trockenbereich zu erkunden. Der Wasserstand und die Stroemung waren aber so, dass wir uns nach Alternativen umsehen mussten.


- Wasserabfluss bei der Cabouy -

Zu unserer Ueberraschung war in der Trou Madame der Wasserstand sehr niedrig was mit einen RB auf dem Ruecken keinen Spass gemacht haette.


- Wasserabfluss / Bachbett bei der Trou Madame -


- Sightseeing an der Le Cunhac (Ressel II) -

Etwas genervt, entschlossen wir uns zur Grotte de L'oule zu fahren. Wir hatten uns den Hoehleneingang schon am Vortag angeschaut und da die SRT-Ausruestung mit dabei war seilten wir uns dort ca. 7 Meter ab und gingen auf Erkundungstour. Wir hatten nicht erwartet einen so langen Trockenbereich vorzufinden und konnten uns so ueber ein paar kleine Kletterpartien, interessanten Sinter und eine nette Hoehle im Allgemeinen freuen.


- Auf dem Weg zur L'oule -


- Eingangsschacht, Fixpunkte pruefen -


- Beim Abseilen -


- Am Schachtboden -


- Beim Abseilen -


- Im Eingangsbereich der Hoehle -


- Erste Krabbelpartien mit nicht idealer Hoehlenbekleidung -


- Sinterbecken -


- Sinter und Hoehlensee -


- Ende des Trockenbereichs -


- Wasserlauf mit Sinter -


Nachdem das Wetter weiter unbestaendig vorher gesagt war und wir fuer Samstag in Deutschland was ausgemacht hatten, entschlossen wir uns die Heimreise anzutreten. Und so kamen wir nach 1250 km und 14 Stunden Fahrt an.